125 Jahre Jakob Winter
Verkauf des Unternehmens an den Tolchin Konzern
Aus dieser Erwägung heraus schlossen sich die beiden Familienunternehmen 1972 dem amerikanischen Konzern Tolchin Instruments, New York an.
Eine Verbindung aus Herstellern von Musikinstrumenten und den dazu¬gehörigen Etuis auf dem europäischen Kontinent war gegründet, die Tolchin Instruments Group. Im Rahmen dieser Organisation wurde ein eigenes Vertriebsnetz geschaffen, von dem die Gruppenunternehmen auf dem inter¬nationalen Markt profitierten. Im Rahmen der internationalen Konstellation wurde Hugo Schreiber 1972 als Geschäftsführer der deutschen Hersteller¬werke eingesetzt.
Verkauf an die Boosey und Hawkes Gruppe
1981 wurde der Tolchin Instruments Konzern von der Boosey & Hawkes Gruppe London übernommen. Zu diesem Zeitpunkt trat auch der Sohn Joachim Winter, nach seinem Studium der Volkswirtschaft, in den Betrieb ein.

Die Firma lieferte zum damaligen Zeitpunkt Koffer, Etuis und Taschen für sämtliche Instrumente der Boosey & Hawkes Gruppe und Kunden außerhalb der Firmen¬gruppe vom Streichbass bis zur Piccoloflöte. 1987 hatte die Firma eine Belegschaft von 80 Mitarbeitern und einem Exportanteil von 60%. 1992 wurde Joachim Winter zum Geschäftsführer der Jakob Winter GmbH ernannt. Auf Grund der wachsenden Nachfrage wurde ein weiterer Fertigungsbetrieb wurde in Nauheim errichtet.
Gründung des Werks in Satzung
Der Fall der Berliner Mauer und die deutsche Wiedervereinigung boten dem Traditionsunternehmen neue Produktionsmöglichkeiten. Durch eine Ansiedlung in den neuen Ländern sollte die Konkurrenzfähigkeit des Unternehmens für die Folgejahre gesichert werden. Auf eine Gesuchanzeige meldete sich der Werksleiter Günter Griesmann der ehemaligen „VEB Holzverarbeitung Satzung“. Anfang 1990 traf man sich in Nauheim, um die Chance einer Zusammenarbeit zu besprechen. Danach ging alles sehr schnell. Nachdem im Mai 1990 Joachim und Albert Winter den Betrieb in Satzung besichtigt hatten, wurde das Unternehmen Ende 1991 gekauft.
Investitionen in neue Fertigungstechnologien und Erweiterungsbauten führten dazu, dass sich die Fertigungskapazitäten in der Zeit von 1993 bis 1998 verdoppelten. Bis heute wurde der Standort Satzung kontinuierlich ausgebaut, so dass der Großteil der heutigen Produkte von hoch qualifizierten Mitarbeitern am Standort Satzung gefertigt wird.
Albert Winter, der am 2.6.2001 verstarb, arbeitete bis zum 70. Lebensjahr in „seiner“ Firma. Mit ihm verlor die Musikgemeinde Nauheim einen ihrer führenden Unternehmerpersönlichkeiten. Er gehörte zahlreichen Nauheimer Vereinen an. Besonders den Interessen und Nöten der Musikvereine fühlte er sich stets verbunden. Er engagierte sich viele Jahre in verschiedenen Gremien und Beiräten des Bundesverbandes der deutschen Musikinstrumentenindustrie und nahm an der Entwicklung „seiner“ Branche auch im hohen Alter regen Anteil. Im Januar 1993 verlieh ihm die Gemeinde Nauheim die Ehrenplakette für herausragende Verdienste.
Verkauf an „The Music Group“
Anfang 2003 änderten sich die Besitzverhältnisse wiederum. Im Rahmen eines Management Buy-Outs mit einem Privat Equity Investor, dem Rutland Fond, wurde der Musikinstrumentenzweig mit allen dazugehörigen Herstellerbetrieben des Boosey & Hawkes Konzerns ausgliedert, und ging in die „The Music Group“ über. Diese Unternehmensgruppe sollte allerdings nur zwei Jahre bestehen.
Das Unternehmen kehrt zurück in Familienbesitz
2005 kehrte das Unternehmen wieder zurück in Familienbesitz. „The Music Group“ verkaufte die Jakob Winter GmbH an den Geschäftsführer Joachim Winter und dessen Frau.
Leider erlebte es Albert Winter nicht mehr, dass seine Firma nach über 40 Jahren zurück in den Familienbesitz gelangte. Er wäre sicherlich Stolz zu wissen, dass die lange Tradition des 1886 in Schönbach gegründeten Unternehmens durch die Familie fortgeführt wird.
Das Unternehmen agiert seither wieder selbstständig auf dem Markt agiert. Es produziert hauptsächlich am Standort Satzung.
In der Nauheimer Unternehmens-Zentrale ist die Verwaltung ansässig sowie eine kleine Produktion für Spezialanfertigungen. Seit 1945 hat sich das Unternehmen zunächst zum bedeutendsten Kofferhersteller für Musikinstrumente in Europa entwickelt.
So beliefert die Jakob Winter GmbH die meisten renommierten europäischen Hersteller von Musikinstrumenten, wie Buffet Crampon, Frankreich.
Durch die Selbstständigkeit auf dem Markt hat sich das Unternehmen in den letzten Jahren verstärkt auch andere Geschäftsfelder eröffnet. Neben der Produktion von Musikinstrumentenkoffer stellt das Unternehmen erfolgreich Waffenkoffer, Industriekoffer sowie Naturfaserprodukte her.
- So werden seit ca. 25 Jahren Koffer und Taschen für Jagd- und Sportwaffen u.a. für führende Waffenhersteller produziert.
- Des Weiteren bietet das Unternehmen Industriekoffer an, die größtenteils nach Kundenwünschen hergestellt werden. So können auch noch so ausgefallene Kundenwünsche erfüllt werden.
- Den innovativsten Bereich bilden die „Greenline“ Naturfaserprodukte.

Diese umweltfreundlichen Produkte aus Naturfaserverbundwerkstoffen sind eine konkurrenzfähige Alternative zu Produkten aus herkömmlichen Kunststoffen. Nicht zuletzt aufgrund der engen Zusammenarbeit mit führenden Forschungsinstituten hat sich das Unternehmen eine Führungsposition in Verfahrenstechnik, Veredelung und Beschichtung dieser zukunftsträchtigen Naturmaterialien erarbeitet.
Erfolge im Bereich der Serienfertigung umweltfreundlicher Produkte aus Naturfaserverbundwerkstoffen gibt es bereits. So fertigt das Unternehmen jährlich nicht nur ca. 20. 0000 Etuis für Musikinstrumente aus Naturfaserverbundwerkstoffen, sondern auch Koffer für Laptops, Sitzschalen für die Möbelindustrie, Leichtbauplatten für den Messebau und biologisch abbaubare Urnen.
Innovativer Partner auch in Zukunft
In seiner 125 jährigen Geschichte hat sich das Unternehmen zu einem modernen, mittelständigen Unternehmen entwickelt, dem die Kunden vertrauen. Vertrauen bei unseren Kunden zu bilden und zu bewahren war, und ist unser Ziel seit 125 Jahren.

Dieses Unternehmenskonzept, basierend auf fundierter Leistung und Qualität der Erzeugnisse macht das Unternehmen zum innovativen Partner, der an den Produkten von morgen arbeitet.